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WKÖ | Bestsellerautor Harari beim Europatag der Wirtschaft: „Europa als Vorbild für mehr globale Kooperation“

Zukunftsgespräch mit Yuval Harari, WKÖ-Präsident Mahrer und Bundeskanzler Kurz in der Wirtschaftskammer Österreich

Wie kann ein neues Narrativ für die Zukunft in einer Zeit radikaler technologischer Veränderungen und der Rückkehr der Geopolitik aussehen? Und welchen Weg sollte Europa zwischen den beiden Machtblöcken China und USA entwickeln? Mögliche Antworten darauf gaben der Historiker und Bestsellerautor Yuval Noah Harari, Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer und Bundeskanzler Sebastian Kurz beim Zukunftsgespräch „The European Dream“, das im Rahmen des Europatags der Wirtschaft Dienstagabend in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) stattfand.

Harari: Welt braucht globale Zusammenarbeit „in Harmonie und ohne Uniformität“

Yuval Harari, der in Österreich erstmals öffentlich auftrat, betonte in seiner Keynote die Notwendigkeit einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit, um die Herausforderungen der Zeit zu lösen: „Eine Mauer reicht einfach nicht, um Nuklearkriege zu verhindern, um den Klimawandel zu bekämpfen oder die Veränderungen durch disruptive Technologien zu bewältigen.“ So wie Frankreich und Deutschland, die über Jahrhunderte hindurch Kriegen gegeneinander geführt haben, heute einander vertrauen, müsse auch auf globaler Ebene alles getan werden, um mehr Vertrauen zwischen den Staaten zu schaffen. „Um im 21. Jahrhundert überleben zu können, brauchen wir eine bessere globale Kooperation“, forderte Harari. Die Europäische Union sei „das erfolgreichste Modell der Menschheitsgeschichte für Kooperation“. Europa habe daher Vorbildwirkung für eine engere globale Zusammenarbeit „in Harmonie und ohne Uniformität“.

Mahrer: Europa ist für Österreich Heimat und Heimmarkt

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer brachte die Perspektive der Wirtschaft ein und betonte: „Europa ist für Österreich Heimat und Heimmarkt.“ Angesichts der technologischen Umbrüche gehe es nun darum, einen „europäischen Weg“ zu finden zwischen dem amerikanischen Modell eines „digitalen Kapitalismus“, der auf die wirtschaftliche Macht der Konzerne und politischen Protektionismus setzt, und dem chinesischen Modell einer „digitalen Staatswirtschaft“ mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kontrolle. Europa könne bei der Lösung der von Harari skizzierten Zukunftsfragen eine wichtige Rolle spielen, „wenn es die Menschen in den Mittelpunkt stellt“, so der WKÖ-Präsident. „Wir müssen auf die Talente der Menschen setzen und das Bildungssystem weiterentwickeln.“ Zudem gehe es darum, „Freiheit, Leistung und soziale wie ökologische Nachhaltigkeit durch ein Modell der ökosozialen Marktwirtschaft in Balance zu bringen.“

Kurz: Europa kann seine Werte nur exportieren, wenn es wirtschaftlich erfolgreich ist

Bundeskanzler Sebastian Kurz wies in seiner Keynote darauf hin, dass „der demokratische Rechtsstaat in vielen Teilen der Welt nicht mehr automatisch mit mehr wirtschaftlichem Wohlstand und einer Verbesserung für die nachfolgende Generation“ verbunden sei. Mit Blick auf eine Zukunftsvision für das Jahr 2050 warnte Kurz: „Wir werden uns extrem schwertun, unsere Werte, unser Gesellschaftsmodell in die Welt zu exportieren, wenn wir keinen wirtschaftlichen Erfolg haben.“ Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund gehe es beim Zukunftsthema Künstliche Intelligenz darum, „dass wir als Europa nicht total den Anschluss gegenüber China verlieren.“ Die Regulierung dieses Themas, die zuvor von Harari angesprochen wurde, müsse auf europäischer Ebene erfolgen. Bei der am 26. Mai anstehenden Europawahl bestehe „die große Chance“, so Kurz, „neue Perspektiven und einen Generationswechsel einzuleiten und damit auch frische Ideen für die Lösung der anstehenden Herausforderungen zu entwickeln“.

Die konkreten Export- und Investitionsmöglichkeiten der heimischen Unternehmen in Europa standen am Nachmittag des gestrigen Europatags der Wirtschaft im Fokus. WKÖ-Wirtschaftsdelegierte aus ganz Europa waren vor Ort in Wien, um über die neuesten Innovationen, Trends und Chancen in den europäischen Märkten zu informieren und in individuellen B2B-Gesprächen mit heimischen Unternehmensvertretern Chancen auszuloten.

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