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ÖGfE | Jugendliche in Österreich für mehr gemeinsame Entscheidungen auf EU-Ebene

78 Prozent halten EU-Mitgliedschaft für gute Sache | 89 Prozent sehen sich als EU-BürgerIn – Jugendumfrage zum Schulschluss in Österreich

„Der EU-Sondergipfel am 30. Juni soll eine Einigung über die Neubesetzung der Top-Positionen auf EU-Ebene bringen. Die Staats- und Regierungschefs würden mit etwas Kompromissbereitschaft Einigkeit demonstrieren und damit zu einer Konsolidierung des derzeit positiven Stimmungsbildes zur Union beitragen. Österreichs Jugendliche sind jedenfalls mehrheitlich dafür, dass die europäische Zusammenarbeit verstärkt wird. Dass Beschlüsse in Zukunft wieder vermehrt auf Ebene der einzelnen Nationalstaaten fallen sollten, findet vergleichsweise geringe Zustimmung. Generell wird die Mitgliedschaft unseres Landes in der EU als gute Sache bewertet“, kommentiert Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), Ergebnisse aus der jährlichen ÖGfE-Jugendumfrage, die von September 2018 bis Mai 2019 unter 3704 Jugendlichen an AHS, BHS und Berufsschulen durchgeführt wurde.

Mehr als drei von vier befragten Jugendlichen (78 Prozent) sind der Ansicht, dass die Mitgliedschaft unseres Landes in der Europäischen Union eine „gute Sache“ ist. Nur für 4 Prozent stellt sie explizit eine „schlechte Sache“ dar. 18 Prozent zeigen sich unentschlossen und nehmen eine neutrale Position ein („weder gut noch schlecht“).

Insgesamt 89 Prozent der Jugendlichen (Basis waren hier Befragte mit einer EU-Staatsbürgerschaft) fühlen sich selbst als EU-Bürger oder EU-Bürgerin. Für 43 Prozent trifft dies „auf jeden Fall“ zu, für 46 Prozent „eher schon“. Etwas mehr als ein Zehntel identifiziert sich hingegen nicht damit und sieht sich „eher nicht“ (9 Prozent) oder „überhaupt nicht“ (2 Prozent) als EU-BürgerIn.

Knapp drei Viertel der befragten Jugendlichen (72 Prozent) treten dafür ein, dass in Zukunft Entscheidungen mehr gemeinsam auf europäischer Ebene getroffen werden sollten. Etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) plädiert für ein Mehr an nationalstaatlichen Beschlüssen.

Was die Zukunft der Europäischen Union generell betrifft, so sehen diese sieben von zehn befragten Jugendlichen mit Zuversicht. Auf drei von zehn Befragte trifft dies jedoch nicht zu.

„Die Ergebnisse unserer Jugendumfrage spiegeln jene Trends wieder, die auch im Ergebnis der jüngsten Europawahlen zum Ausdruck kommen. Jene Parteien, die der EU und einem Mehr an europäischer Integration skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, konnten europaweit nicht jene Zugewinne verzeichnen, die ihnen vielfach prognostiziert wurden. Die Wahlbeteiligung ist EU-weit gestiegen. Die Zukunft der EU im globalen Umfeld bewegt. Junge Menschen wurden gerade durch das Thema Umwelt- und Klimaschutz dazu motiviert, ihre Stimme abzugeben. Ein Bereich, bei dem der Mehrwert des Zusammenwirkens auf europäischer Ebene besonders sichtbar wird. Umso wichtiger wäre es, dass sich die Mitgliedsländer doch noch auf das ambitionierte Ziel einer klimaneutralen Union bis 2050 einigen.“

Jugendliche sind deutlich stärker am heimischen politischen Geschehen interessiert, als an jenem auf EU-Ebene. Insgesamt 74 Prozent gaben an, Interesse am Politikgeschehen in Österreich zu haben (27 Prozent „sehr“ | 47 Prozent „eher schon“), 26 Prozent verneinten dies (19 Prozent „eher kein“ | 7 Prozent „gar kein Interesse“).

Europapolitische Entwicklungen werden mit weitaus weniger Aufmerksamkeit verfolgt. Etwas mehr als jede/r Zweite (56 Prozent) interessiert sich dafür – davon 13 Prozent „sehr“ und 43 Prozent „eher schon“. Insgesamt 44 Prozent sind am politischen Geschehen auf europäischer Ebene hingegen „eher nicht“ (34 Prozent) oder „gar nicht“ (10 Prozent) interessiert.

„Die gestiegene Beteiligung an den Europawahlen ist ein positives Signal. Dennoch braucht es mehr Anstrengungen, die europäische Politik, ihre oft komplexen Abläufe und ihre manchmal mühsame Entscheidungsfindung, besonders für Jugendliche besser zu kommunizieren. Der Neustart der EU im Herbst bietet – rechtzeitig zum Schulbeginn – dazu eine Gelegenheit“, so Schmidt.

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